LinkedIn · XING · Social Media Outreach

Abmahnung wegen LinkedIn-Nachrichten? Das Urteil ist eindeutig.

Das AG Duesseldorf hat 2025 entschieden: Eine LinkedIn-Vernetzung ist keine Einwilligung fuer Werbung. Wer Cold Outreach betreibt, riskiert Abmahnungen mit Streitwerten bis 6.000 € pro Nachricht.

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Aktuelles Urteil vom 20. November 2025

Das AG Duesseldorf (Az. 23 C 120/25) hat entschieden: Die blosse LinkedIn-Vernetzung berechtigt nicht zum Versand von Werbung. Weder direkte noch indirekte Kontakte stellen eine Einwilligung dar.

Das Urteil: LinkedIn-Kontakte sind kein Freibrief

AG Duesseldorf, 20.11.2025, Az. 23 C 120/25

Sachverhalt: Der Beklagte hatte eine Werbe-E-Mail an eine Person geschickt, mit der er ueber LinkedIn indirekt verbunden war. Er argumentierte, die Vernetzung stelle eine stillschweigende Einwilligung dar.

Entscheidung: Das Gericht wies dieses Argument zurueck. Die Klaegerin argumentierte, ihre E-Mail-Adresse sei ohne Zustimmung aus dem beruflichen Netzwerk entnommen und fuer Werbezwecke missbraucht worden. Das Gericht folgte dieser Argumentation.

Folge: Verurteilung zur Unterlassung und Zahlung der Abmahnkosten.

Weitere massgebliche Rechtsprechung

  • BGH I ZR 25/19 (Inbox-Werbung I): Social-Media-Nachrichten sind elektronische Post
  • OLG Hamm, 03.05.2023, Az. 18 U 154/22: Bestaetigung der strengen Einwilligungspflicht
  • OLG Nuernberg, 15.01.2019, Az. 3 U 724/18: Auch Freundschaftsanfragen mit Werbetext sind verboten

Die Rechtslage ist eindeutig: § 7 Abs. 2 Nr. 2 UWG verbietet Werbung per elektronischer Post ohne vorherige ausdrueckliche Einwilligung. Und seit der BGH-Entscheidung steht fest, dass LinkedIn-Nachrichten als elektronische Post gelten.

LinkedIn-Akquise: Was ist erlaubt, was verboten?

Erlaubt

  • Beitraege im eigenen Feed veroeffentlichen
  • Beitraege anderer kommentieren und liken
  • In LinkedIn-Gruppen diskutieren
  • LinkedIn Ads ueber den offiziellen Kampagnen-Manager
  • Direktnachricht nach ausdruecklicher Einwilligung

Verboten

  • Werbliche Direktnachrichten an Kontakte ohne Einwilligung
  • InMails mit Werbung an Nicht-Kontakte
  • Kontaktanfragen mit Werbetext in der Begleitnachricht
  • Automatisierte Nachrichten-Sequenzen (Expandi, Dux-Soup etc.)
  • E-Mails an aus LinkedIn entnommene Adressen

Wer ist besonders betroffen?

B2B-Agenturen & Berater

LinkedIn Cold Outreach ist bei Agenturen und Beratern weit verbreitet. Viele nutzen Automatisierungstools fuer Massenakquise.

SaaS-Unternehmen

Vertriebsteams versenden haeufig personalisierte LinkedIn-Nachrichten als Teil ihres Outbound-Prozesses.

Coaches & Trainer

Direktnachrichten mit Angeboten fuer Webinare, Kurse oder Beratung sind besonders haeufig und werden zunehmend abgemahnt.

Personalvermittler

Recruiter nutzen LinkedIn intensiv. Auch wenn Stellenangebote versendet werden, kann dies als Werbung gewertet werden.

Was kostet eine Abmahnung wegen LinkedIn-Outreach?

3.000–6.000 €

Streitwert pro Nachricht

300–800 €

Anwaltskosten pro Abmahnung

5.000–10.000 €

Vertragsstrafe bei Wiederholung

Bei Massenversand multiplizieren sich die Kosten. Wer 100 Nachrichten ohne Einwilligung versendet, riskiert Streitwerte im sechsstelligen Bereich.

Abmahnung erhalten? So reagieren Sie richtig

1

Ruhe bewahren

Eine Abmahnung ist kein Gerichtsurteil. Es gibt Moeglichkeiten zu reagieren.

2

Frist notieren

Notieren Sie die Frist sofort. Typischerweise 7 bis 14 Tage.

3

Cold Outreach sofort stoppen

Deaktivieren Sie alle Automatisierungstools und stoppen Sie werbliche Direktnachrichten.

4

Vorformulierte Unterlassungserklaerung NICHT unterschreiben

Die beigefuegte Erklaerung ist oft zu weit gefasst und kann Ihre LinkedIn-Nutzung unangemessen einschraenken.

5

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Haeufige Fragen zu LinkedIn Cold Outreach

Zaehlt eine LinkedIn-Nachricht als elektronische Post?
Ja. Der BGH hat in seiner Entscheidung I ZR 25/19 (Inbox-Werbung I) klargestellt, dass neben E-Mails, SMS und MMS auch saemtliche Nachrichten ueber Social-Media-Dienste wie LinkedIn, XING, Facebook oder WhatsApp als elektronische Post gelten. Damit unterliegen sie denselben strengen Regeln wie E-Mail-Werbung.
Reicht eine LinkedIn-Vernetzung als Einwilligung aus?
Nein. Das AG Duesseldorf hat am 20.11.2025 (Az. 23 C 120/25) eindeutig entschieden, dass weder eine direkte noch eine indirekte LinkedIn-Vernetzung eine stillschweigende Einwilligung fuer den Empfang von Werbenachrichten darstellt. Der Beklagte wurde zur Unterlassung und Zahlung der Abmahnkosten verurteilt.
Gilt das auch fuer XING, Instagram und Facebook?
Ja. Die Rechtsprechung bezieht sich auf alle Social-Media-Plattformen. Direktnachrichten mit Werbung ueber XING, Instagram, Facebook, TikTok oder jede andere Plattform unterliegen denselben Regeln. Entscheidend ist nicht die Plattform, sondern der werbliche Charakter der Nachricht.
Darf ich ueber LinkedIn Kontakte akquirieren?
Sie duerfen LinkedIn fuer organisches Netzwerken nutzen: Beitraege veroeffentlichen, kommentieren, in Gruppen diskutieren. Verboten ist das Versenden von Direktnachrichten mit werbendem Inhalt ohne vorherige ausdrueckliche Einwilligung des Empfaengers. Auch InMails an Nicht-Kontakte sind betroffen.
Was ist mit automatisierten LinkedIn-Nachrichten?
Automatisierte Nachrichten (z.B. ueber Tools wie Expandi, Dux-Soup oder LinkedIn Helper) sind besonders riskant. Zum einen verstoessen sie gegen die LinkedIn-Nutzungsbedingungen und koennen zur Kontosperrung fuehren. Zum anderen sind sie als Massenwerbung besonders leicht abmahnfaehig.
Wie hoch ist das Busssgeld bei LinkedIn Cold Outreach?
Der Streitwert liegt bei 3.000 bis 6.000 EUR pro unerlaubter Nachricht. Aussergerichtliche Abmahnkosten betragen 300 bis 800 EUR. Bei DSGVO-Verstoessen (Verarbeitung personenbezogener Daten ohne Rechtsgrundlage) koennen zusaetzlich empfindliche Bussgelder verhaengt werden.
Wer mahnt wegen LinkedIn-Nachrichten ab?
Zunehmend mahnen die belaestigten Empfaenger selbst ab, darunter auch Anwaelte und Berater. Daneben koennen Wettbewerber und die Wettbewerbszentrale Abmahnungen aussprechen. Im DSGVO-Bereich koennen Datenschutzbehoerden Bussgelder verhaengen.